B. Degen
POLITEIA-Kalender 2001

"Frauen verstehen die Kunst, umfassend Gerechtigkeit herzustellen, sowohl im Alltag als auch im Rahmen des öffentlichen Rechtsdiskurses"

Barbara Degen.

Dr. jur. Barbara Degen, Mitglied im Verein zur Förderung des geschlechterdemokratischen historischen Bewusstseins

 

Zur Person - aus dem POLITEIA-Historischen Wochenkalender 2001

Barbara Degen wurde 1941 in das Unrechtssystem des Nationalsozialismus hinein geboren. Sie wird sich später immer wieder mit den Widersprüchen von Opfer- und Täterschaft unter der Diktatur beschäftigen. Auch ihr starker Wunsch nach einer demokratischen und geschlechtergerechten Ordnung entstand in Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus.

Ab 1961 studierte sie Jura und war im linken SDS engagiert. Sie setzte sich in der überparteilichen Frankfurter Gruppe „Aktionsrat 70“ für die ersatzlose Streichung des §218 ein. Die Abschaffung diese Paragraphen war für sie als Sinnbild für weibliche Selbstbestimmung von zentraler politischer Bedeutung und eine Voraussetzung für die Gleichbehandlung der Geschlechter. Barbara Degen gehört zu den Mitinitiatorinnen der „Zweiten“ Frauenbewegung in der Bundesrepublik, die aus zahlreichen Einzelinitiativen, Demonstrationen und Selbsterfahrungsgruppen bestand, lange bevor sie in der Öffentlichkeit als „Bewegung“ wahrgenommen wurde.

In ihrer Referendarzeit entwickelte Barbara Degen für die Gewerkschaften arbeitsrechtliche Grundlagen zugunsten von Arbeitnehmerinnen weiter. Ihre Erfahrungen in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit verhalf ihr 1972 zu einer Stelle als Volkshochschulleiterin in Friedberg. Hier gestaltete sie die gerade entstehende moderne Erwachsenenbildung mit. Ihr Eintreten für Geschlechterdemokratie sowie ihre DKP-Mitgliedschaft führten zu zwei Berufsverboten. 

Ab Mitte der 80er Jahre war Barbara Degen mit dem Schwerpunkt „Gleichberechtigungsrecht“ und „sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“ als autonome feministische Anwältin tätig. Ihre intensive freiberufliche Schreibtätigkeit diente ihr zur wissenschaftlich-theoretischen Weiterentwicklung des Rechts. Sie wollte Frauen auf verschiedenen Ebenen in die Lage versetzen, soziale Gerechtigkeit zu leben.

1990 gründete sie das „Feministische Rechtsinstitut“ in Bonn und erhielt sechs Jahre später den Hans-Litten-Preis für ihr feministisches und antifaschistisches Engagement.

 

Barbara Degen ist auch literarisch tätig. Sie hat Kabarett-Texte geschrieben und Kabarett gespielt und sie schreibt Gedichte. Im Herbst 2003 erschien ihr Gedichtband: Die Brennesselzukunft. Nach Auschwitz Krieg „Euthanasie“ - Zauberfrauengedichte. Mit Bildern von Lilja Dinere. (Schardt-Verlag, Oldenburg)


 

Neuerscheinung 2005: Leuchtende Irrsterne - Das Branitzer Totenbuch, "Euthanasie" in einer katholischen Anstalt
mehr dazu auf diesen Seiten unter Aktuelles