U. Würfel
POLITEIA-Kalender 2001

"Muss sich die Familie verändern, damit sie zur Gesellschaft passt, oder wäre es nicht an der Zeit, dass sich die Gesellschaft verändert, damit sie zur Familie passt?"

Uta Würfel

Uta Würfel, MdB a.D., stellv. Vorsitzende des Vereins zur Förderung des geschlechterdemokratischen historischen Bewusstseins


Zur Person - aus dem POLITEIA-Historischen Wochenkalender 2001

Mit dem Abitur sowie Abschlüssen als Arzthelferin und Sekretärin in der Tasche verließ Uta Würfel in den 60er Jahren Westdeutschland, um sich in den USA als Fremdsprachenassistentin ausbilden zu lassen. Anfang der 70er Jahre kehrte sie mit geschärften Augen und Sinnen zurück. Besonders beeindruckt hatte sie, wie amerikanische Frauen, bestärkt durch die neue Frauenbewegung, Einfluss auf die gesellschaftspolitischen Entwicklungen ausübten. Um ihre Vorstellungen einer frauen- und kindergerechten und damit familienfreundlicheren Gesellschaft zu verwirklichen, entschloss sich Uta Würfel, ebenfalls politische aktiv zu werden. Dabei konnte sie auf Erfahrungen als Erwerbstätige, Ehefrau, Hausfrau und Mutter zweier Kinder zurückgreifen. Als geeignete politische Plattform wählte sie die FDP, die sich dem Recht des Einzelnen verpflichtet fühlte.

Als Mitglied der saarländischen FDP und als Bundestagsabgeordnete (1987-1994) forderte Uta Würfel eine Altersversicherung für Mütter, eine Verbesserung der staatlichen Kinderbetreuung, kindergerechte Wohnungen, sowie „die gleiche Berechtigung und Verpflichtung von Mann und Frau innerhalb der Familie, im Beruf und in der Gesellschaft“. Dazu, so erklärte sie mit beeindruckender Weitsichtigkeit, sei es unabdingbar, dass sich Männer nicht mehr nur über die Erwerbsarbeit definieren und die Organisation der Arbeit geändert werde.

Gemäß ihrer Vision einer Gesellschaft, in der die Rechte der Frauen und Kinder gewahrt werden, wandte sich Uta Würfel zwischen 1988 und 1992 entschieden gegen einen CDU/CSU-Leitantrag zur Verschärfung des §218. Sich nicht dem Fraktionszwang beugend, sondern ihren Wertvorstellungen folgend, gelang es ihr, die eigene Partei dazu zu bewegen, gemeinsam mit der SPD-Opposition einen Gruppenantrag gegen den Antrag des Koalitionspartners einzubringen. Dieser fraktionsübergreifende Antrag erhielt 1992 die Stimmen der Mehrheit.